Raphael, Vanessa und Deborah mit Sven Matis

Immer die Ruhe bewahren – der Alltag in der Pressestelle

Von Raphael Wohlfahrt

SSB-Streik, ver.di-Kundgebung vor dem Rathaus und eine Nasskälte, wie sie nur der April fertigbringt – all diesen Unwägbarkeiten zum Trotz treffen Vanessa, Deborah und ich uns gute 20 Minuten vor zehn vor dem Rathaus zum Ortstermin bei Sven Matis, Leiter der Pressestelle der Stadt Stuttgart.

Nach der Fahrt in den dritten Stock per Paternoster (wenn jeder Arbeitstag so beginnt, kann man sich den Kaffee zum Aufwachen sparen) warten wir vor Herrn Matis’ Büro. Beschwingt öffnet er die Tür und bittet uns herein – um Punkt 10.00 Uhr, ganz der Terminprofi eben. Einen guten Tag für den Besuch hätten wir uns ausgesucht, heute sei viel geboten – u.a. eine Pressekonferenz mit einer Enthüllung, die, so kündigt Herr Matis an, „ziemlich einschlagen“ werde.

Sein Büro grenzt direkt an das seines Vorgesetzten Andreas Scharf, Sprecher des Bürgermeisters, und auf der anderen Seite an das von Jana Braun, die wiederum Matis unterstellt ist. Diese Raumaufteilung spiegelt mehrere Charakteristika des Berufes wider, die wir während unseres kurzen Besuchs erleben: ständiger Austausch mit dem Team, gepaart mit der Notwendigkeit, zu jeder Zeit spontan und flexibel auf neue Entwicklungen reagieren zu können.

Überhaupt bleibt der Leiter der Pressestelle selten lange an einem Ort – nach der täglichen morgendlichen Lektüre aller wichtigen Tageszeitungen ist er ständig im Haus oder auf Ortsterminen in und um Stuttgart unterwegs. Seinen Job beschreibt er dementsprechend als „aufreibend und abwechslungsreich“. In seiner Position fungiert Herr Matis dabei als Scharnier zwischen Pressevertretern und den Ämtern der Stadt – er berät Letztere dabei, welche Informationen sie in welcher Form an wen nach außen kommunizieren können.

Oberstes Credo sei dabei für ihn, dass die Öffentlichkeit nicht belogen wird – das käme über kurz oder lang „eh raus“ und koste genau jenes Vertrauen und die Akzeptanz für die Stadt, die sein Team schaffen sollen. Auch heikle Fragen sollten stets korrekt beantwortet werden. Seine Aufgabe sei es, die der Situation angemessene und sachlich richtige Form zu finden, um keine falschen Aussagen zu machen.

Zwischen den Gesprächen mit unserem Gastgeber nehmen wir an der angekündigten Pressekonferenz des Bürgermeisters mit ca. 20 Pressevertreterinnen und Pressevertretern teil, auf der er die sogenannte „Freier-Plakatkampagne“ der Stadt gegen Zwangs- und Armutsprostitution vorstellt. Am Rande der Pressekonferenz führt Herr Matis lockere Gespräche mit Journalisten, plaudert mal mit dieser, mal mit jenem. Später erklärt er uns, dass durch regelmäßige Kontakte das Vertrauen entsteht, das in der täglichen Zusammenarbeit mit Journalisten so wichtig ist. Dabei bleibt er durchgehend ruhig, richtiggehend entspannt, trotz der bevorstehenden Ankündigung und Wichtigkeit der Pressekonferenz – man merkt, dass er so etwas quasi jeden Tag macht.

Sven Matis hat vor acht Jahren als Volontär im Rathaus begonnen und dabei auch die Öffentlichkeitsarbeit und die Internetredaktion kennengelernt. 2010 wurde er als Pressereferent übernommen und leitet die Pressestelle seit 2014. Um einmal im Journalismus oder in der PR zu arbeiten, rät er uns vor allem, kontinuierlich zu üben: „wer schreibt, der bleibt“. Ob man einen Blogeintrag wohl als Arbeitsprobe an eine Bewerbung anhängen kann?